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Goethes Tragödie um Dr. Faust gilt als das bekannteste Stück der deutschen Literatur. Jetzt wurde dieser Klassiker im Bürgersaal zu Achern in einem neuen Gewand präsentiert: als Puppenshow der Freiburger Puppenbühne – und das vor ausverkauften Rängen.

Wie sollte es gelingen, ein Stück, dessen Aufführung im Theater drei Stunden dauert, auf nur 90 Minuten zu reduzieren? Doch schon der Beginn war ein gekonnter Kunstgriff: Während in Goethes Vorspiel Theaterdirektor, Schauspieler und Dichter über Sinn und Zweck des Theaterspiels streiten, war es Kasper, der die Rolle dieses Dreigestirns meisterte und den Faust als Kompromiss aus Unterhaltung, Kunst und Kommerz vorstellte.

Was dann folgen sollte, war eine faszinierende Synthese von Puppenspektakel und Mysterienspiel, das die Legende des ruhelosen Gelehrten Faust im Wettstreit zwischen Gott und Teufel erzählte. Dabei wurde weder an speziellen Effekten noch am Aktualitätsbezug gespart. So knallte und rauchte es in Mephistos Hexenküche zu Rammsteinklängen und die Pause wurde von Barbie als Nummern-Girl eingeläutet. All diesen „Modernisierungen" zum Trotz blieb die Puppenshow erstaunlich dicht an der Vorlage und somit Goethes lyrisch-nostalgische Sprachgewalt dem Publikum erhalten.

Figurentheater mit viel Enthusiasmus und Witz

In dieser kurzweiligen und humorvollen „Faust”-Inszenierung schlüpfte Puppenspieler Dr. Johannes Minuth als Solist in sämtliche Rollen. Seine Spielfreude war deutlich spürbar. Mit viel Enthusiasmus und Witz erweckte er seine Handpuppen zum Leben und verwandelte dabei die kleine Bühne in den mystisch-mittelalterlichen Kosmos des Dr. Faust. Dass das Stück nicht – wie im Original – nach Mord und Buße mit Gretchens Erlösung, sondern mit einer himmlischen Hochzeit endete, passte dann auch stimmig zum heiteren Tenor der Aufführung. Das Publikum dankte ihm für diesen Beitrag zur Puppenparade Ortenau mit tosendem Applaus.

Thomas Pahn, Galerie Ortenau

Teufel

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